THE BEGINNER'S MIND. WIE OFFENHEIT DEIN MUTTERSEIN VERZAUBERT

Warum dich Offenheit und Neugier gegenüber deinen Erfahrungen als Mutter in die Schönheit des Alltags führt und wie dir dein Kind den Weg dahin weist. Eine persönliche Geschichte über Offenheit, Neugier & den immer währenden Anfängergeist.


Es ist Sonntagmorgen. Ich stehe unter der Dusche und versuche achtsam die warmen Wassertropfen auf meiner Haut zu spüren. Plötzlich lautstarkes Kreischen aus dem Nebenzimmer. Ich halte kurz inne, lausche … und entscheide, dass es wohl keinen Grund gibt, einzugreifen. Vermutlich haben die Jungs mal wieder den Joghurt durch die Nase gegessen oder testen, was es sonst alles noch mit einem Milchprodukt zu tun gibt. Und tatsächlich: als ich später in die Küche komme, bietet sich mir ein faszinierendes Szenario: Die Jungs hatten sich die Kaffeebohnen geschnappt, die geliebte Kaffeemühle meiner Uroma vom Schrank gefischt und damit begonnen die Bohnen klein zu mahlen. Da das wohl irgendwie zu langweilig war, entschieden sie schließlich, den Haarfön hinzuzuziehen und zu schauen, was passiert, wenn man ihn auf voller Stufe auf den frisch gemahlenen Kaffee richtete.


Während ich das Schauspiel unsicher beobachtete und noch hin- und hergerissen war zwischen Lachen und Heulen, jagten mir die verschiedensten Gedanken und Gefühle durch Kopf und Körper. Wie waren sie nur auf den Schrank gelangt? Wieso habe ich nicht gemerkt, dass sie den Fön im Badezimmer geholt hatten? Wie kommen die überhaupt auf solche Ideen? Ich spürte Widerstand. Gleichzeitig war ich amüsiert und ein wenig stolz auf den Entdeckergeist meiner zwei Halbstarken. Ich wollte nicht meckern, nicht nörgeln oder sonst was Impulsives tun. Also versuchte ich im Moment zu landen und mich ein wenig in ihre Welt zu versetzten: unvoreingenommen und neugierig.




"Ein Wirbelsturm!!!"
Kindliche Neugier. Offenheit. DER Anfängergeist.


Die Freude am Leben, die wir bei kleinen Kindern beobachten, entsteht durch eine ganz besondere Neugier, mit denen sie jedem einzelnen Moment ihres Lebens begegnen.

Die Art unserer Kinder das Leben zu erfahren, hilft ihnen, den Moment voll und ganz zu erleben. Ohne Vorbehalte, ohne Vorurteile, ohne Konzepte im Hintergrund. Sie betrachten alles, was sie erleben, mit den Augen eines Anfängers – und in vielerlei Hinsicht sind sie das ja auch. Und gerade das ermöglicht ihnen, die Welt auf eine ganz besonders kostbare Art und Weise zu erforschen.


So auch die alte Kaffeemühle. Sie dachten nicht darüber nach, dass dieses Gerät ein wertvolles Erbstück war. Auch nicht, dass ein Fön grundsätzlich zum Haare trocknen gedacht ist oder dass das frisch gemahlene Kaffeepulver die gesamte Küche in feinen dunkelbraunen Staub hüllen würde. Sie sahen all diese Objekte in ihrer bunten Vielfalt: verbunden mit Tausenden spannenden Möglichkeiten. Und so tauchten sie ihre kleinen Näschen in die duftenden Bohnen, sogen den betörenden Kaffeeduft in sich auf, hörten, wie die Bohnen polternd in die Mühle glitten, drehten den knarzenden Hebel und beobachteten dann, wie das frische Kaffeepulver in der schwergängigen Schublade landete um von einem kraftvollen Luftstrom in die Luft gewirbelt zu werden. Ein Wirbelsturm!!!!!



Offenheit als wichtiges Element
BEWUSSTEN, AUTHENTISCHEN MUTTERSEINS

Die Offenheit im Sinne der evidenzbasierten Achtsamkeitspraxis lädt ein, uns bewusst darüber zu werden, dass Wissen, Erfahrungen und Erwartungen im Gegensatz zu dem stehen können, was wir gerade tatsächlich mit unserem Kind erleben. Das beraubt uns der Chance, den besonderen Zauber eines jeden Momentes in seiner Ursprünglichkeit zu erfahren.

Offenheit, Neugier und der sog. Anfängergeist (aus dem Zen-Buddhismus) sind wertvolle Qualitäten einer bewussten, authentischen Mutterschaft. Das bedeutet nicht, dass wir - wenn wir achtsam leben möchten - nicht auf unser Wissen zurückgreifen sollten. Es bedeutet lediglich, dass wir versuchen, unsere Erwartungen und Ideen über bestimmte Dinge, über uns oder unsere Kinder als erlernte Konzepte erkennen und versuchen, uns hin und wieder ein wenig frei davon zu machen.


Was wäre also, wenn wir unsere Konzepte übers Kaffee mahlen, Haare trocknen und Küche putzen für einen Moment ein Stück weit vergessen würden? Wenn wir vollkommen offen wären für alles, was gerade jetzt in diesem Augenblick passiert? Gänzlich frei von Erwartungen, Vorurteilen, Ängsten oder Befürchtungen?



Dann wäre dieser Sonntagmorgen ein Moment voller Möglichkeiten für zwei Kinder, die gerade die Gesetze der Physik entdeckten. Gemeinsam. Die lernten, wie sie sich unterstützen können, Aufgaben teilen, gemeinsam Ziele erreichen können. Die erkannten, dass alles, was sie tun, immer auch Konsequenzen hat. Und die sie gelassen in Kauf nahmen, weil der Wert des von ihnen Erschaffenen so viel größer war.


Und mit dem Gedanken konnte ich das Glänzen in ihren Augen plötzlich sehen, konnte die Euphorie in ihrem Lachen hören, die Faszination für den Duft des frisch gemahlenen Kaffees erkennen. Und ihre Freude am Sein im Moment. Und dann konnte ich auch meine Möglichkeiten sehen: mich ihrer Leichtigkeit anzuschließen, mich von ihrer Begeisterung mitreißen zu lassen. Präsent sein. Verbunden sein. Leicht sein. Um irgendwann – wenn es soweit war – auch wieder gemeinsam die Küche aufzuräumen. Aber nicht jetzt!



 
Die Praxis:
Wie du als Mama Offenheit kultivieren kannst


  1. Suche dir eine Situation aus, in der du dein Kind für eine Weile relativ unauffällig beobachten kannst, z.B. wenn es in ein kreatives Spiel, ein Puzzle oder ähnliches vertieft ist, wenn es schläft, vor dem Fernseher hockt oder auch wenn es isst oder liest. Schau mal, was sich passend für dich anfühlt.

  2. Stell dir vor, du bist ein Künstler: vielleicht ein Bildhauer oder Maler. Betrachte die Formen, die Farben, die Texturen. Nimm kleine Details wahr: zoome hinein, erforsche. Zoome heraus, schaue wieder auf das Gesamtbild. Nimm die Bewegungen wahr. Höre aufmerksam zu, achte auf die Tonalität der Stimme. Vielleicht kannst du den Atem hören oder den Herzschlag deines Kindes? Wie duftet dein Kind, sein Haar, die Haut oder die Kleidung. Was fühlst du, wenn du deinem Kind nahe bist: die Wärme, Weichheit. Unebenheiten? Welchen Geschmack hat die Haut deines Kindes wenn du es sanft küsst?

  3. Nimm alles neugierig und möglichst wertfrei auf, was du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst. Analysiere nicht mit dem Verstand. Bleib im Beobachten und spüre in dich hinein.

  4. Verstehe dein Kind in diesem einzigartigen Moment als Kunstwerk, dessen individuelle Besonderheiten von unschätzbarem Wert sind und das darauf wartet, von dir und der Welt entdeckt zu werden.

  5. Verändere nichts an deiner Erfahrung. Sie ist, wie sie ist. Und sie darf genau so sein.


Praktiziere die Übung wenn möglich 3 Tage in Folge und schaue, ob und wie sich deine Wahrnehmung verändert. Notiere dir gerne auch die Dinge, die dir wichtig scheinen. Weite dein Forschungsfeld anschließend ruhig noch ein wenig auf andere Menschen, Objekte und Situationen aus. Das trainiert deine Aufmerksamkeit weiter, macht bewusster und achtsamer.


 

Hier gibt es noch ein etwas längeres Interview mit Mindful-Parenting-Guru JÖRG MANGOLD zum Thema Offenheit & Neugier im Elternsein.





Offenheit: Elternschaft erleben im Anfängergeist.

Offenheit, Neugier und ein gewisser Anfängergeist kann dir dabei helfen, weniger urteilend mit Alltagssituationen umzugehen, die auf den ersten Blick nicht dem entsprechen, was du dir als Mama wünschst oder was du von dir selbst oder deine Kind vielleicht erwartest. Durch diesen wertfreien Umgang eröffnet sich ein Raum, der dir die Möglichkeit schenkt, dein Tun bewusst und absichtsvoll zu gestalten, statt einfach nur zu reagieren. Für mich ein Riesen-Schritt in eine bewusste, authentische Haltung als Mensch und Mama.


 

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Ich bin Constance, ausgebildete Achtsamkeits- und Meditationslehrerin, Kommunikationstrainerin, Yogini und seit 2015 Zwillingsmama. MutterSein ist für mich keine Aufgabe, keine Rolle und keine weitere Skala, an der sich bemessen lässt, wie viel Erfolg wir im Leben haben. Für mich birgt das Leben als Mutter die kostbare Chance mir selbst ganz neu zu begegnen. So, wie ich wirklich bin: mit allen Ecken und Kanten, Freuden und Befürchtungen. Mit allen Stärken und vermeintlichen Schwächen. Deshalb betreibe ich diesen Blog und den dazugehörigen Instagram-Account, wo ich in familienkompatiblen Abständen über meine Reise in und durch ein bewusstes, achtsames MutterSein berichte.


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Mindful. Authentic. Mostly.

Constance