MAN KANN NICHT NICHT KOMMUNIZIEREN. ÜBER ACHTSAMKEIT & GEWALTFREIE KOMMUNIKATION

„Man kann nicht nicht kommunizieren.", sagte einst Paul Watzlawick. Und es stimmt: Leben ist Kommunikation! MenschSein ist Kommunikation. ElternSein ist Kommunikation. Und wenn wir davon ausgehen, dass unser Kind genau über diese Kommunikation mit uns beginnt, sein Selbstbild zu erschaffen, dann wäre es für uns als Eltern auch wünschenswert, dass wir in einer Art und Weise kommunizieren, die dieses heranreifende Selbstbild stärkt, anstatt es zu schwächen. Ich denke mal, das ist unbestreitbar.





Die Gewaltfreie Kommunikation

nach Marshall B. Rosenberg

Eine Möglichkeit, auf diese stärkende und friedvolle Art mit unserem Kind zu kommunizieren wurde von Marshall Rosenberg entwickelt, die sogenannte GEWALTFREIE KOMMUNIKATION – oder auch kurz GFK genannt. Das Modell der GFK erfreut sich immer größerer Beliebtheit – auch und vor allem in der bedürfnisorientierten Elternszene – und so begann auch ich vor einigen Jahren mich damit zu beschäftigen. Ich lernte ihren unschätzbaren Wert kennen – aber auch ihre Grenzen. Aber zunächst vielleicht ein kurzer Abriss, worum es in der GFK eigentlich geht.




Grundannahmen und Vier Schritte der GFK

Einige wichtigsten Grundannahmen der GFK sind, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben. Alles, was wir jemals tun, ist ein Versuch uns diese Bedürfnisse zu erfüllen. Wie wir uns diese Bedürfnisse zu erfüllen versuchen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und führt in einer Gemeinschaft häufig zu Konflikten. Das ist ein wichtiger Teil der Haltung, in der wir die Gewaltfreie Kommunikation praktizieren.


Wesentlich bekannter als diese tiefgreifende innere Haltung, ist jedoch das 4 Schritte-Modell, das versucht unserem Kommunikationsprozess mit Anderen eine gewisse Systematik zu verleihen, indem es uns einlädt, bestimmte Elemente in unsere Sprache zu integrieren, nämlich:

  • Beobachtung

  • Gefühl

  • Bedürfnis

  • Bitte


Dieses Modell ist der methodische Kern der GFK und das Element, das wir meistens als allererstes kennenlernen, wenn wir als Newbies mit der GFK in Kontakt kommen.

Und in dieser Technik liegt zwar einerseits die Stärke der GFK – nämlich, dass sie uns so schön strukturiert vorgibt, wie wir möglichst friedvoll mit unserem Gegenüber sprechen können. Gleichzeitig ist aus meiner Sicht genau diese Stärke auch das große Risiko der Gewaltfreien Kommunikation. Nämlich, dass wir beginnen mit einer Methode zu arbeiten ohne gleichzeitig an unserer inneren Haltung zu feilen. Denn obwohl eine friedvolle Haltung die absolute Basis ist um im Außen überhaupt authentisch friedvoll kommunizieren zu können, wird sie in vielen Trainings nicht von Anfang an intensiv vermittelt und trainiert. Und genau das ist schade und lässt die Umsetzung der GFK in vielen Familien letztlich dann doch an den Herausforderungen des Alltags scheitern!


Denn dieser erste Fokus auf die Technik der Sprache führt unter Umständen dazu, dass Menschen, die grundsätzlich friedvoll miteinander sein möchten, irgendwann aussteigen. Weil die Methode zu methodisch ist, die Sprache zu künstlich wirkt und die Haltung dahinter leider immer noch nicht ganz gewaltfrei.



Gewaltfreiheit ist Haltung & Sprache.


Wenn wir die Gewaltfreie Kommunikation nicht nur als sprachliches Stilmittel verwenden wollen, sondern uns zudem auch möglichst oft in einer gewaltfreien inneren Haltung zu unserem Gegenüber befinden möchten, müssen wir Gewaltfreiheit zunächst einmal in uns selbst kultivieren.

Wir müssen lernen, unseren Körper zu spüren, unsere Gefühle zu fühlen und zu benennen – ohne dagegen in den Widerstand zu gehen. Wir müssen Klarheit erlangen über die Bedürfnisse, die sich hinter diesen Gefühlen verbergen und wir müssen lernen, dass eine Bitte an unser Kind eben auch mit einem NEIN beantwortet werden kann. Und das genau dieses NEIN schon wieder zum nächsten Konflikt führen und uns aus der gewaltfreien Haltung hinaus katapultieren kann.


Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Arbeit der GFK. Es ist ein sich immer wiederholender Prozess - genau wie die Praxis der Achtsamkeit. Ein Prozess, der im Inneren beginnt und sich nach und nach auf unser Außen überträgt. Und dabei geht es weniger darum, ein bestimmtes Sprachmuster nachzuahmen oder ganz spezielle gewaltfrei Begrifflichkeiten zu verwenden. Es geht darum, die innere Arbeit zu tun, die es braucht um uns selbst und unserem Kind gegenüber eine möglichst friedvolle Haltung einzunehmen und auch im Konflikt beibehalten zu können. Das ist doch der Punkt, oder?


Wenn wir das schaffen, dann kann die Gewaltfreie Kommunikation wirklich unterstützend sein und sich zutiefst stimmig anfühlen. Weil wir nicht nur im äußeren Ausdruck friedvoll sind, sondern auch in der inneren Geisteshaltung. Und weil das Innen und Außen dann kongruent sind!





Das Beste aus GFK &

evidenzbasierter Achtsamkeitspraxis


Die Gewaltfreie Kommunikation und die evidenzbasierte Achtsamkeitslehre sind auf dem gleichen Fundament gebaut, nämlich einem großen Respekt vor den Bedürfnissen aller fühlenden Wesen, einer unendlichen Liebe zu unserer innewohnenden Gutheit und dem unumstößlichen Glauben an die Verbundenheit allen Seins auf dieser Erde.


Deshalb liegt für mich nichts näher als Beides miteinander in Beziehung zu bringen. Die innere Arbeit bereichert das Tun im Außen. Die Gewaltfreie Kommunikation mit unseren Mitmenschen ergänzt unsere innere friedvolle Überzeugung. Es geht um Gleichwürdigkeit. Um Ethik. Und um geteilte Menschlichkeit.

Und wenn du Lust hast, dir diese Verbindung ein wenig genauer anzuschauen, dann gibt es Anfang des neuen Jahres wieder die Gelegenheit dazu. Meine GFK-Kollegin Verena Ohn und ich haben eine Online-Workshopreihe konzipiert, die die Praxis der evidenzbasierten Achtsamkeit mit den Techniken der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg kombiniert. Dadurch gelingt es uns im Elternalltag immer mehr, bewusst und authentisch für unsere Bedürfnisse einzustehen und gleichzeitig möglichst liebevoll und empathisch mit uns selbst und unserem Gegenüber zu bleiben - auch und vor allem in herausfordernden Situationen.


Alle Details dazu findest du unter: https://www.achtsam-familie-sein.de/bewusst-authentisch-kommunizieren

Hey. Ich bin Constance, ausgebildete Achtsamkeits- und Meditationslehrerin, Kommunikationstrainerin, Yogini und seit 2015 Zwillingsmama. Jeden einzelnen Tag neu bin ich auf der Suche nach meiner inneren Wahrheit. Nach Leichtigkeit, Verbundenheit und Gelassenheit im Alltag. Ich lebe und liebe die Praxis der evidenzbasierten Achtsamkeit und möchte sie so vielen Eltern wie nur irgendwie möglich zugänglich machen. Wenn dir der Beitrag gefallen hat und du mehr darüber erfahren möchtest, wie wir diesen Raum zwischen Reiz und Reaktion absichtsoller gestalten können, abonniere gerne meinen Newsletter. So landen alle aktuellen News einmal im Monat taufrisch in deinem Postfach. Ich freu mich auf dich!


Mindful. Authentic. Mostly.

Constance