ÜBER DIE SEHNSUCHT NACH MEHR GELASSENHEIT IM FAMILIENALLTAG

Ich war nie ein Fels in der Brandung! Und ich hatte in meinem Leben bis vor wenigen Jahren nur ganz wenige Menschen, die ich als solche bezeichnen würde. Menschen, die - egal, was passiert - den Ereignissen des Lebens mit einer Art innerem Frieden begegnen. Die sich selbst nicht mitreißen lassen von äußeren Gegebenheiten. Die die Dinge stattdessen stoisch geschehen lassen. Und trotzdem irgendwie Anteil nehmen. Gelassenheit. Für mich immer bewundernswert. Weil ich eben niemals dieser Fels war.





Schon mit dem Aufstehen beginnen wir als Mütter üblicherweise durch unseren Tag zu hetzen. Um schnell noch die Brote vorzubereiten, den Zwerg pünktlich in Kita, Schule & Co. abzuliefern, rechtzeitig bei der Arbeit aufzuschlagen, anschließend noch schnell zum Gitarrenunterricht zu sprinten, noch fix einzukaufen, nach Hause hetzen, eben was kochen, Abendroutine, Bett. Und wieder von vorne! Wir rennen hin und her um alles gleichzeitig zu wuppen. Und ja: Es ist eine kaum zu schaffende Menge an Aufgaben, die da an uns Mütter (und Eltern) gestellt werden. Es wäre schön, weniger zu tun zu haben. Weniger Stress ausgesetzt zu sein. Entschleunigung. Dann wäre alles entspannter...


Aber würden wir wirklich gelassener sein, wenn wir die Anforderungen im Außen herunterschrauben könnten um so vermeintlich weniger Stress zu erleben? Für mich klares JEIN! Ja, weil ein geringeres Tempo in unser aller Leben ohne Frage guttun würde. Nein, weil wir Gelassenheit nicht an äußere Bedingungen knüpfen können. Denn Gelassenheit ist so viel mehr als sich entspannt durch ein perfektes (kinderfreies ;-)) Wochenende chillen zu dürfen.



Was bedeutet Gelassenheit im MUTTERSein wirklich?

Gelassenheit wird in der Achtsamkeitswelt gerne auch als Gleichmut bezeichnet. Im Buddhismus – auf dem viele Praktiken der evidenzbasierten Achtsamkeitslehre aufbauen – bildet Gleichmut als UPEKKHA eine der vier BRAHMAVIHARAS, den Vier Göttlichen Geisteszuständen. Dabei geht es im Buddhismus zunächst zwar um die Absicht, alle Menschen als gleich zu betrachten und keine Unterschiede zwischen sich selbst und anderen zu machen. Im erweiterten Sinn bezieht sich das jedoch auch auf das Annehmen und Akzeptieren von Erfahrungen, ohne sie in irgendeiner Art verändern oder beeinflussen zu wollen.


Gelassenheit im Familienalltag bedeutet, in der Lage zu sein, den Dingen, die mit Kindern nun einfach mal passieren, mit der inneren Überzeugung zu begegnen, dass dieser chaotische Zustand, auch wieder vorbei gehen wird. Es geht darum, immer wieder einen Blick auf das Große-Ganze zu werfen. Sich zu fragen, was wirklich und dauerhaft wichtig ist.

Was Gelassenheit übrigens nicht heißt: Plötzlich Allem und Jedem mit Gleichgültigkeit zu begegnen und es unkommentiert geschehen zu lassen, wenn mein Kleinkind den Spinat laut prustend gegen die weiße Wand sprudelt oder wenn mein halbstarker Teen gerade das Auto des Nachbarn mit seinem Haustürschlüssel kreativ aufgewertet hat. Überhaupt nicht! Es bedeutet auch nicht, keine Vorstellungen mehr von dem zu haben, wie wir unser Leben im Allgemeinen und unseren Familienalltag im Besonderen ausrichten möchten. Es geht nur darum, grundsätzlich anzunehmen, was wir gerade nicht ändern können: Unsere Realität. Und das nimmt schon mal eine ganze Menge Druck raus.



Der grössten Stolpersteine auf dem
Weg zu mehr Gelassenheit

1. Elterliche Erwartungen

Der Punkt ist, dass unsere Realität als Mama meistens irgendwie ein wenig von unseren Vorstellungen abweicht. Und dass – wenn das passiert – wir ganz schnell in den Widerstand gehen. Weil unser menschliches System aus Überlebensgründen seit Ewigkeiten darauf programmiert ist, Unangenehmes zu vermeiden und Angenehmes anzustreben.


Diesen Widerstand nennen die Buddhisten ANHAFTUNG. Anhaften an dem, wie es sein sollte. Anhaften an dem, wie es mal war. Anhaften an dem, wie es vielleicht irgendwann sein könnte. Wie unser Kind irgendwann sein sollte. Wir als Mütter sind aus psychologischer Sicht prädestiniert dafür an bestimmten Vorstellungen anzuhaften, das liegt in der Natur der Elternschaft. Wir haben oft schon bevor wir überhaupt eine Familie gründen, ein Bild davon, wie wir als Mama, wie unser Kind als kleiner Mensch und unsere Familie als Ganzes sein soll. Und wir projizieren unsere eigenen Erfahrungen, unsere (unerfüllten) Wünsche und unsere Ängste auf all das hinauf. Unbewusst.


Und dann halten wir daran fest. Arbeiten darauf hin. Möchten das Ergebnis beeinflussen. Klappt das nicht, bringt uns dies in den Widerstand. Weil wir nicht ohnmächtig sein können als menschliche Wesen. Wir kleben an dem, wie es für uns sein sollte. Wir leiden, weil unser Kind nicht so ist, wie wir uns das immer ausgemalt haben. Wir verurteilen uns selbst dafür, weil wir nicht immer die Mama sind, die wir sein wollten. Und wir sind wütend auf unsere Partner, weil sie nicht die Partner sind, die wir uns so sehr gewünscht hätten.


2. Unangenehme Gefühle

Und weil wir das Bild, das Ideal von uns selbst, unserem Kind und unserer Familie manchmal einfach nicht loslassen können, rennen wir weiterhin dem hinterher, wie es sein sollte. Wir laufen dieser Illusion hinterher, weil wir nicht den Schmerz spüren möchten, der entstehen würde, wenn wir uns eingestehen, dass unsere Realität nicht die ist, die wir uns gewünscht haben. Weil wir uns vielleicht nicht eingestehen wollen, dass wir ohnmächtig sind. Dass es Dinge gibt, die wir nicht kontrollieren oder verändern können.


Also bleiben wir lieber im Widerstand, statt uns mit dem Fühlen der Gefühle zu beschäftigen, die es braucht um die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Um das, was ist, anzunehmen und loslassen zu können.






Gelassenheit kultivieren heisst Liebevolle
Akzeptanz lernen und Raum schaffen
Aus meiner Perspektive ist Gelassenheit nichts, das sich kultivieren lässt. Gelassenheit ist ein Zustand des Seins und entsteht als eine Konsequenz aus Akzeptanz. Akzeptanz bedeutet, die Dinge, die wir nicht ändern können, anzunehmen.

Wenn wir also als Mütter gelassener werden möchten, müssen wir lernen, bestimmte Gegebenheiten anzunehmen und einen Teil unserer Erwartungen loszulassen. Und da beginnen wir als allererstes doch mal bei uns selbst.



 
Alltags-Reflexion
  • Welche Dinge gibt es an dir, mit denen du im MamaSein so deine Schwierigkeiten hast? Die du nicht leiden kannst und unbedingt anders haben willst: Schimpfen? Nörgeln? Schreien? Hetzen? Trotzen? Sowas….?

  • Und wenn es passiert ist: wie gehst du dann mit dir selbst um? Mit deiner vermeintlichen Schwäche und mit dir als Person? Kämpfst du gegen diese Eigenschaft? Möchtest du es ungeschehen machen? Empfindest du Schmerz darüber, dass du so bist, wie du bist? Wie fühlt sich dein Gefühl genau an?

  • Kannst du dir vorstellen, was passiert, wenn du diesen Teil von dir liebevoll annehmen würdest? Ihm Raum geben, ihn anerkennen als einen wichtigen Teil von dir – ohne ihn unbedingt gut zu heißen. Erst einmal nur anerkennen. Mit weniger Widerstand, dafür mehr Verständnis und Mitgefühl. Probier's aus.

  • Denn so entsteht der Raum, den du benötigst, um in einem zweiten Schritt vielleicht ganz sanft und liebevoll an einer Veränderung zu arbeiten.


 

Akzeptanz im bewussten MutterSein bedeutet, unangenehmen Erfahrungen eine Bühne zu geben. Schwierige Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken nicht wegzuschieben oder irgendwie auszuhalten, sondern sie als Teil unseres Menschseins einzuladen sich zu zeigen und sie dann liebevoll zu erforschen.

Und dies ist aus meiner Sicht unsere eigentliche Aufgabe, wenn wir uns auf den Weg in eine bewusste, authentische Mutterschaft machen: die innere Arbeit. Wir müssen lernen „nichts gegen das zu haben, was geschieht“, und stattdessen beginnen, dem Unveränderbaren mit mehr wohlwollender Akzeptanz zu begegnen. Denn dann können wir nicht nur friedvoller mit den Dingen umgehen, die uns vielleicht grad nichts so wirklich in den Kram passen. Wir können auch annehmender, liebevoller und nachsichtiger mit uns selbst umgehen. Und daran wachsen!


Und genau hier ist aus meiner Sicht der Beginn eines zutiefst gelassenen MutterSeins!


 

Hey. Schön, dass du hier bist! Ich bin Constance. Kommunikationstrainerin, Achtsamkeits- und Meditationslehrerin, Yogini und seit 2015 Zwillingsmama. Und immer wieder neu auf der Suche nach meiner inneren Wahrheit. Um mir und meiner Familie ein Leben in Bewusstheit und Authentizität zu ermöglichen. Deshalb betreibe ich diesen Blog und den dazugehörigen Instagram-Account, wo ich in familienkompatiblen Abständen über meine Reise in und durch ein bewusstes, authentisches ElternSein berichte.


Mindful. Authentic. Mostly. 😉

Constance Grunewald-Petschke


 

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